Grundsätzlich unterscheidet man zwischen Textilien aus Naturfasern und aus synthetischen Fasern. In vielen Fällen sind synthetische Fasern heute den Naturfasern gleichwertig, bei bestimmten Nutzungsarten sogar überlegen. Die Zeiten der vergilbenden und nicht atmungsaktiven Nylonhemden ist lange vorbei, und auch die knitterfrei ausgestatteten Baumwollhemden, deren Kragen und Manschetten dafür schnell durchscheuerten, gehören der Vergangenheit an.

Die verschiedenen Textilarten
■ Wolle: Wollfasern bestehen aus Tierhaaren, also verhornten Eiweißbausteinen, ähnlich wie das menschliche Haar. Wolle in der Kleidung trägt sich sehr angenehm, hat aber leider die Eigenschaft, leicht zu „filzen”. Das hat mit der Schuppenschicht an der Oberfläche der Woll- haare zu tun, die sich beim Tragen und Waschen leicht verhaken. Diese Eigenschaft macht man sich bei der Herstellung von Filzen zunutze. Wenig bekannt ist, dass die Gefahr zum Verfilzen bei Wolle umso größer wird, je feiner und damit teurer die Wolle des Pullovers oder einer Strickjacke ist. Stückwaren aus Mohair, A’paka, Kamelhaar oder Cashmere müssen deshalb besonders vorsichtig gewaschen werden.
■ Baumwolle: Baumwolle ist immer noch die verbreitetste Faser bei Textilien. Von der Tischwäsche über Unterwäsche bis hin zu Handtüchern, Anzügen und Stückwaren ist Baumwolle aus den Samenhaaren der Baumwollpflanze äußerst beliebt.
Baumwolle ist – wie Leinen – im feuchten Zustand fester als im trockenen. Deshalb ist Baumwolle besonders strapazierfähig bei allen Verwendungsarten, wo Feuchtigkeit eine Rolle spielt. Dazu gehört auch das Waschen. Baumwolle ist eine Zellulosefaser ( Zellulose), aus Zellulose bestehen nämlich die feinen Samenhaare der Baumwollpflanze, aus denen die Fäden hergestellt werden.
■ Leinen: Leinen ist ebenfalls eine Zellulosefaser, die im nassen Zustand fester ist als im trockenen. Aus Leinen werden nicht nur wertvolle feine Damaste für Tischtücher hergestellt, sondern auch nichtfusselnde Trockentücher und schließlich Stoffe für verschiedenste Arten von Kleidung, von der Hose bis zum Kleid.
Leinen hat den Nachteil, stark zu knittern, weshalb man es oft mit Baumwolle oder anderen Textilien mischt.
■ Viskose: Sie ist eine der ältesten Chemiefasern. Sie wird durch ein kompliziertes Verfahren aus Holzzellulose gewonnen.
1898 wurde in England ein Verfahren patentiert, aus Viskoselösungen Fasern herzustellen. Bei der Herstellung von Viskosefasern wird eine Zelluloselösung durch Düsen gepresst. In einem Fällbad wird der Zelluloselösung das Lösungsmittel entzogen, und es entstehen die Fasern. Für Kleidung werden in der Regel Viskosefasern aus der Zellulose der Baumwollpflanze verwendet. Für Haushaltstextilien, die viel Wasser binden sollen, nimmt man dagegen aus Holzzellstoff hergestellte Viskosefasern. Bei entsprechender Webart können diese Fasern bis zu 400% des Eigengewichts an Wasser aufnehmen.

■ Polyester-Fasern: Polyester-Fasern sind unter Namen wie Diolen und Trevira im Handel.
Das Polyesterharz gibt es erst seit 1941. Durch Erhitzen von Terephthalsäure mit Ethylenglykol wird der Kunststoff Polyester gewonnen, aus dem sich reißfeste Fasern spinnen lassen. Geschmolzenes Polyesterharz wird bei etwa 280 °C durch Spinndüsen gepresst, das nach dem Erkalten die Fasern bildet. Polyester-Fasern – oft in Kombination mit Baumwolle – eignen sich gut für pflegeleichte Textilien, da sie nicht schrumpfen und knittern und sehr leicht waschbar sind.
■ Polyamid: Fast gleichzeitig wurden 1938 von einem Amerikaner das Nylon und von einem Deutschen das Perlon erfunden. Damit begann ein neuer Zeitabschnitt für waschbare Textilien. Ältere unter unseren Lesern werden sich noch erinnern, dass diese beiden Polyamide zwar sehr pflegeleicht waren, aber bei Wäsche und Kleidung keine besonders komfortablen Trageeigenschaften hatten.

Chemisch ausgedrückt wird Perlon durch Polymerisation aus Caprolactam gewonnen und Nylon durch Polykondensation aus Adipinsäurenitrit und Hexamethylendiamin. Nachdem es technisch gelang, aus den drahtartigen Fasern durch Kräuseln so genannte texturierte Fasern herzustellen, hat sich der Tragekomfort dieser synthetischen Fasern entscheidend gebessert.
■ Seide: Der echte Seidenfaden besteht aus reinem Eiweiß und wird von den Raupen des Seidenspinners gesponnen. Durch Spinndrüsen stellen sie zwei parallel austretende Fäden her, die mit Seidenleim verklebt sind. Sie bauen damit eiförmige Kokons, in denen sie sich verpuppen. Vor der Verarbeitung wird dieser Seidenleim entfernt (durch so genanntes Entbasten).
Textilien aus reiner Seide sind sehr leicht, elegant und schön. Sie schmiegen sich der Haut angenehm an und haben insgesamt einen hohen Tragekomfort, denn sie können enorm viel Feuchtigkeit aufnehmen und liegen im Sommer angenehm kühl auf der Haut.

Eine Sonderform stellen so genannte „funktionelle” Textilien dar, zu denen Produkte wie die mit Namen „Goretex”, „Sympatex” und „Thinsulate” gehören. Sie sind aus mehreren Schichten aufgebaut, durch die erreicht wird, dass die daraus hergestellte Kleidung atmungsaktiv ist und doch weitgehend gegen Regen, Wind und Kälte schützt. Eine zunehmend wichtige Rolle spielen auch Mikrofasern, bei denen es sich um Polyamidoder Polyester-Fasern handelt, die dünner sind als Seide und andere Naturfasern.

Mikrofasern werden in wasserabweisenden Stoffen, wie zum Beispiel Goretex, verwendet, und sie spielen eine Rolle bei besonders schweißdurchlässiger Sportwäsche, die nicht an der Haut kleben soll.