Für die Ernährung gibt es kein „Rentenalter“, weshalb die Energiezufuhr im Alter nicht verringert werden sollte. Es empfiehlt sich, seinen bisherigen Essrhythmus beizubehalten, indem man weiterhin vier Mahlzeiten am Tag zu sich nimmt, denn man darf nicht vergessen, wie wichtig das Frühstück ist und wie sehr man den Nachmittagskaffee genießt.

Eine Untersuchung, die 1983 von Professor Le Cerf aus Lille durchgeführt wurde, hat gezeigt, dass die durchschnittliche Kalorienzufuhr bei älteren Frauen 1680 Kalorien beträgt und dass die Proteinzufuhr häufig zu niedrig und unausgewogen ist, da mehr als 77 %der zugeführten Proteine tierischen Ursprungs sind.

Deshalb sollten vor allem vollwertige NahrungsmittePwie Getreideprodukte oder Hülsenfrüchte verzehrt werden, die zudem reich an Ballaststoffen und Mikronährstoffen sind.

Eine Einschränkung der Proteinzufuhr hat nur auf ärztliche Anordnung zu erfolgen (wenn zum Beispiel eine schwere Störung der Nierenfunktion vorliegt).

Bei finanziellen Problemen stellen Eier und Milch billige Proteinlieferanten dar. Des Weiteren sollte auf eine abwechslungsreiche Zufuhr an Lipiden geachtet werden. Da in einem gewissen Alter ein Teil der Enzyme in ihrer Funktion gestört sind, müssen bestimmte Fettsäuren, die der Organismus nicht mehr aus den Fettsäuren der Öle oder Butter bilden kann, durch den regelmäßigen Verzehr von Fleisch, Leber, Eiern und vor allem Fisch zugeführt werden.

Außerdem empfiehlt es sich, Kohlenhydrate mit einem niedrigen glykämischen Index zu sich zu nehmen, da sie reich an pflanzlichen Proteinen, Ballaststoffen (wirken verdauungsfördernd) und Mikronährstoffen sind.

Bei den kleinen Leckereien braucht man dagegen nicht so streng zu sein (außer bei extremer Fettleibigkeit oder schlecht eingestelltem Diabetes), da sie stets einen Genuss darstellen. Dabei sollte man natürlich Schokolade mit über 70 % Kakaoanteil bevorzugen.

Schließlich ist auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr zu achten. Da bei älteren Menschen das Durstgefühl nicht mehr so ausgeprägt ist und Stoffwechselveränderungen das Risiko einer Dehydrierung (Wasserentzug) erhöhen, sollten mindestens 1,5 Liter Flüssigkeit pro Tag zugeführt werden.

Dazu bieten sich Suppen, Tee und Fruchtsaft an. Allerdings ist ein übermäßiger Genuss von Kaffee zu meiden, da dadurch Schlafstörungen begünstigt werden.
Es empfiehlt sich, zu jeder Mahlzeit ein bis zwei Gläser Rotwein (ä 0,11) zu trinken, da Wein bekanntlich antioxydierende und euphorisierende Eigenschaften besitzt.

Die Kalziumzufuhr sollte bei älteren Frauen 1200 bis 1500 mg pro Tag betragen. Allerdings ist sie sehr häufig niedriger, vor allem dann, wenn eine restriktive Diät durchgeführt wird. Die Statistik gibt genau Aufschluss darüber:
– 58 % der älteren Frauen nehmen weniger als 800 mg Kalzium pro Tag zu sich;

Bei Vitamin D-Mangel kann Osteomalazie entstehen, die durch Schmerzen im Beckenbereich und Schwierigkeiten beim Gehen zum Ausdruck kommt (vergleichbar mit Rachitis bei Kindern).

Der behandelnde Arzt sollte immer an diese Ursache denken, wenn ältere Frauen über Gehschwierigkeiten klagen. In diesem Fall sind hohe Dosen an Vitamin D zu verordnen.

Ein Mangel an Folaten (Vitamin B9 oder Folsäure) kommt bei älteren Menschen ebenfalls sehr häufig vor: 30 % der Frauen, die zu Ftause ihren Lebensabend verbringen, und 70 %der Frauen, die in einem Pflegeheim untergebracht sind, leiden daran.

Dieser Mangel äußert sich durch Anämie und vor allem durch psychische Störungen:
Stimmungswandel, Schlaflosigkeit, Konzentrationsschwäche, Depressionen, Apathie und in manchen Fällen sogar Senilität.

Deshalb sollte bei jeder älteren Frau, die den „Verstand verloren hat“, diese Ursache in Betracht gezogen werden, bevor echte Senilität diagnostiziert wird.

Durch eine einfache Blutentnahme lässt sich feststellen, ob ein Mangel an Folsäure vorliegt. Die Heilbehandlung erfolgt dann in Form von Spritzen, doch man sollte auch eine entsprechende Umstellung der Ernährung vornehmen.

Der Tagesbedarf an Folaten beträgt 300 Millionstel Gramm.
Nahrungsmittel, die reich an Folsäure sind

– Bierhefe 4 000 Millionstel Gramm/100 g
– Kalbsleber 260 Millionstel Gramm/100 g
– Austern 240 Millionstel Gramm/100 g
– Kresse, Endivie 220 Millionstel Gramm/100 g
– gekochter Spinat 160 Millionstel Gramm/100 g
– Avocado 150 Millionstel Gramm/100 g
– gekochte rote Bohnen 130 Millionstel Gramm/100 g

Man weiß, dass dieses Vitamin an der Zellerneuerung beteiligt ist (als Baustein von Fermentsystemen).

Ein Mangel an Vitamin B6 führt zu Müdigkeit, Depressionen, Reizbarkeit und einer erhöhten Infektionsanfälligkeit. Die Nahrungsmittel, die reich an Vitamin B6 sind, können in Teil 1, Kapitel 6 nachgelesen werden.

Genügend Vitamin A zu sich nehmen
Dieses Vitamin ist an der Bildung des Sehpurpurs im Auge beteiligt und sorgt für den Schutz der Haut und Schleimhäute. Die tägliche Zufuhr sollte 800 Millionstel Gramm betragen. Ein Vitamin A-Mangel (was bei 45 % der Frauen über sechzig der Fall ist) verursacht trockene und faltige Haut, erhöhte Anfälligkeit gegenüber Lungen- und UNO-Infektionen und Sonnenunverträglichkeit.

Des Weiteren sollten folgende Stoffe bevorzugt werden…
– Antioxidantien, vor allem Vitamin E und C sowie Polyphenole, die durch ihren Kampf gegen die freien Radikale dem Alterungsprozess entgegenwirken;
– Eisen;
– Magnesium;
– Kalium.
Laut Statistik ist bei mehr als der Hälfte der älteren Menschen die tägliche Zufuhr an Nährstoffen völlig unzureichend (im Vergleich zu den empfohlenen Werten).
https://kaloianivanov.contently.com